"Cybersecurity & AI Security Instructor (Deutsch & Englisch)"
Diese Anfrage nach einem "Cybersecurity & AI Security Instructor (Deutsch & Englisch)" fängt stark an. Um dann noch stärker nachzulassen.
Die folgende Anfrage habe ich sehr interessiert gelesen. Denn: ich arbeite seit 25+ Jahren parallel zu meinem Beruf als Berater auch als Trainer. Seit 15 Jahren bin ich auf das Thema Cyber-Sicherheit spezialisiert und freue mich natürlich immer über neue Chancen und Herausforderungen.
In dem Job als Trainer bin ich übrigens wirklich, wirklich gut und motiviert. Die guten Bewertungen, die ich von den Teilnehmern relgemäßig bekomme, sind für mich eine tolle Bestätigung. Entsprechend habe ich dann aber bei solchen Anfragen auch hohe Erwartungen an die Trainingsanbieter, denn am Ende ist natürlich das Erlebnis für die Trainingsteilnehmer immer eine Mischung aus der Leistung des Traininsanbieters und des Trainers, sowie der Qualität der Unterlagen und der Lernumgebung - am Ende ist es ein "Gesamtkunstwerk".
Beschreibung
Bei dieser Anfrage fällt direkt auf, dass der Trainingsanbieter offensichtlich über Geld verfügt und scheinbar eine Mission und eine Vision hat! Das ist eine gute Nachricht und insgesamt eine vielversprechende Kombination.
Und Praxiserfahrung, dieses Wissen mit in eine Trainig einbringen, Teilnehmer auf Prüfungen und Zertifizierungen vorbereiten? Ja, das ist genau mein "Ding". Ich arbeite in diesem Umfeld und kann das natürlich sehr gut in Trainings einbringen. Soweit also perfekt für mich!

Verfügbarkeitsmodell
Hier habe ich mich das erste Mal etwas gewundert: das Verfügbarkeitsmodell. Man soll nämlich acht Sessions pro Woche anbieten können. Mindestens! Das ist viel. Wenn man davon ausgeht, dass eine Session nicht nur 60 Minuten sind, sondern eher zwei Stunden, sind das mindestens 16 Stunden pro Woche. Es wird gerne vergessen, dass man auch als erfahrender Trainer solche Sessions nicht einfach hält, sondern auch moderate Vorbereitung durch den Trainer zum Erlebnis für die Teilnehmer beiträgt. Damit ist man dann eher bei mehr als 20h pro Woche, hat also mehr als die Hälfte der typischen Wochenarbeitszeit von 40h einfach mal belegt. Das mag an mir liegen, aber ich denke, dass das in gar nicht so vielen Berufen so einfach möglich ist.

Gleichzeitig ist aber die Auslastung von acht Sessions pro Woche nicht garantiert! Dadurch muss man jetzt auch noch in der Lage sein, seinen Hauptjob so flexibel planen zu können, dass man monatsweise mehr oder weniger Auslastung abfedern kann, ohne Leerlauf zu haben, den man z. B. als selbständiger Berater dann niemandem berechnen kann. Das ist mehr als nur eine einfache Herausforderung. Nicht unmöglich, aber schwierig.
Deutsch und Englisch
Mir leuchtet nicht direkt ein, warum ein Trainer die Sessions in Deutsch und Englisch halten können muss. Typischerweise kommen Gruppen von Teilnehmern aus einem bestimmten Land und sprechen eine Sprache. Das kann hier aber Konzept sein, die Idee dahinter ist vielleicht einfach in dem Text nicht ausgeführt, kann aber immer noch total sinnvoll und sehr gut sein.
Aufgaben und technische Skills
Die Aufgaben und die technischen Skills erscheinen sinnvoll und ergeben ein Bild.

Praxiserfahrung?
Die genannte Praxiserfahrung von mindestens zwei Jahren ist meiner Meinung nach aber viel zu wenig! Eine Person, die seit zwei Jahren im Beruf ist und davor eine Ausbildung und/oder ein Studium gemacht hat, bringt genau dieses benötigte tiefe Wissen über Technologien, Produkte, Prozesse in Unternehmen und größere Zusammenhänge einfach nicht mit! Dieses Know-How erwirbt man über viele Jahre. Zwei Jahre Praxiserfahrung passen für mich nicht mehr zu dem Bild von hoher Qualität der Trainings. An dieser Stelle ist der Anbieter für mich nicht mehr glaubwürdig und hat mich verloren.
Das liegt auch einfach daran, dass ich das in der Vergangenheit bei mehreren Trainingsanbieter erlebt habe. Und es war immer ein jämmerlicher Versuch, Trainer mit kaum vorhandener Berufserfahrung möglichst teuer am Markt zu verkaufen. Leidtragende sind die Teilnehmer, für die die Wissensvermittlung dann nicht funktioniert, aber auch erfahrende Trainer, die irgendwie immer zu teuer sind.
Und dieser Gedanke führt uns prompt zum letzten Punkt:
Vergütung
Und spätestens bei diesem unscheinbar wirkenden Detail bin ich tatsächlich raus und kann auch niemand anderem mehr empfehlen, sich zu bewerben:
Die Vergütung ist abhängig von Erfahrung und Profil.

Das klingt erst einmal plausibel und man ist es auch gewohnt, oder?
Berufseinsteiger haben weniger Erfahrung und bekommen weniger, der Arbeitgeber hat schließlich mehr Aufwand für die Einarbeitung, Training-on-the-job, die Kollegen haben mehr Aufwand und und und. "Alte Hasen" bekommen entsprechend mehr.
In diesem Fall ist es aber nicht plausibel und nicht logisch.
In diesem Fall ist es einfach nur ein billiger Trick des Trainingsanbieters, um die Vergütung zu drücken.
Wenn ein Trainer Sessions übernimmt, dann arbeitet er oder sie niemandem zu und belegt keine Ressourcen im Unternehmen. Er oder sie arbeitet definierte Sessions mit den Teilnehmern ab. Es muss natürlich sichergestellt sein, dass die Qualität der Sessions "passt". Aber die Teilnehmer bezahlen ja auch nicht mehr oder weniger, je nach Erfahrung der Trainer.
Hier formt sich bei mir im Kopf ein ganz schlechtes Bild, das ich von diesem Trainingsanbieter habe. Das retten dann auch die 100 Mio. USD Seed-Finanzierung nicht mehr. Oder vielleicht gerade nicht...

